Veranstaltungen des onomato e.V 2009
Filmreihe: VERWANDLUNG
organisiert, ausgewählt und vorgestellt von Frauke Tomczak
Verwandlung - das klingt nach märchenhafter Wunsch- und Traumerfüllung
des den Menschen seit jeher begleitenden Begehrens, anders sein zu
wollen, als er ist. Seltsamerweise sprechen die Erzählungen über
Verwandlungen schon seit Ovids Metamorphosen eher von dem Affekt des Schreckens, den sie - oft als Strafe der Götter erfolgend - auslösen.
Verwandlung kann Gestaltwandel meinen wie in der berühmten Erzählung "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" von Robert Louis Stevenson (Das Testament des Dr. Cordelier, 1959, Jean Renoir) oder die totale Veränderung der Außenwelt etwa durch eine Katastrophe (Danach, 1968, Richard Lester) oder gar durch die perfekte Simulation einer artifiziellen Kunstwelt (Die Truman Show,
1998, Peter Weir). Sie kann von der Beeinflussung eines Lebens durch
Ereignisse an ganz anderem Ort mittels magisch-mystischer Kanäle
erzählen (Die zwei Leben der Veronika, 1991, Kieslowski) oder von dem lebensbedrohlichen Ausbruch des Wahnsinns (Shining,1980,
Kubrick). Eine sehr eigenwillig gestaltete Verwandlung des Teufels
zwecks Verführung setzt der letzte Film dieser Reihe ins Bild (Simon in der Wüste, 1965, Bunuel).
In dieser Reihe: SHINING
Dienstag, 24.11.2009, 20h
„Shining“, GB 1980, R: Stanley Kubrick, S: Jack Nicholson, Shelley Duvall
Einführung: Frauke Tomczak
Das
„shining“, die seherische Fähigkeit des „zweiten Gesichts“ hat in
Kubricks Film das Kind. Die psychopathische Verwandlung aber nimmt von
dem Vater, einem erfolglosen Schriftsteller, Besitz. Umstellt von
seinen Halluzinationen führt er im Wahnsinn die Schrecken aus, die das
Kind nur erahnte. Visionen und Halluzinationen geben den Blick frei auf
vergangenes Geschehen am gleichen Ort: Ist Kubricks Horror der
Verwandlung die Wiederkehr des Vergangenen und des Verdrängten?
UND WAS LÄUFT HINTER DEM "RUNDGANG"?
Donnerstag, 26.11.2009, 20h

Vortrag von Thomas Brandt
Gegenwart und Geschichte künstlerischer Lehre - am Beispiel der Düsseldorfer Kunstakademie.
Wer
lehrt dort mit welchen Ideen? Seit wann gibt es Akademien? Und wie
prüft man die Studienberechtigung oder ist nicht Beuys Idee einer
totalen Öffnung besser?
Thomas Brandt war Schüler von Professor
Erwin Heerich an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf,
wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Kunstsammlung Nordrhein-
Westfalen und seit 1989, 15 Jahre lang, Leiter des Kulturforums Alte
Post in Neuss.
JANET RIEDEL "FIASKO" - Fragmente nach dem gleichnamigen Roman von Imre Kertész.
Termin wird noch bekanntgegeben
Ausstellung: onomato Fenstergalerie und Filmprojektion mit Werkgespräch in der BlackBox
Der
Film erzählt mittels farbiger Fotografi en (im Splitscreen) die
Geschichte eines Neubeginns, nach Auschwitz, nach Buchenwald, im
stalinistischen Budapest der 50er Jahre und beschreibt die Suche nach
einer Aufgabe, die das Überleben möglich macht. Steinig, dessen
Geschichte erzählt wird, und Berg, der Henker, schreiben an einer
Schrift, die von der Gnade handelt. FIASKO geht der Frage nach
Identität, nach Vervielfachung der Persönlichkeit in totalitären
Systemen nach und untersucht die Wahrnehmung von Zeit.
CHARLOTTE SALOMON - "LEBEN? ODER THEATER?"
Donnerstag, 03.12.2009 20h

Lichtbildvortrag von Mechthild Hagemann, Mitarbeit: Jens Stittgen
Charlotte
Salomon wurde 1917 in Berlin geboren, vermochte trotz antisemitischer
Aktionen sich an der Kunstschule Berlin einzuschreiben, fand
Anerkennung, zog, da ein Exil in den Vereinigten Staaten verweigert
wurde, später zu den Großeltern nach Südfrankreich. Ausgelöst durch
den Selbstmord ihrer Großmutter und die Aufklärung über andere Suizide
in der Familie beginnt Charlotte Salomon ihre Lebenserfahrungen in Bild
und Schrift zu schildern und die großbürgerliche Kindheit, ihre
Familiengeschichte und die Machtergreifung durch die
Nationalsozialisten bildnerisch zu refl ektieren.Die
gemalt-geschriebene Autobiographie mit dem Titel "Leben? oder Theater?"
umfasst 780 kleinformatige Gouachen und bildet das einzige erhaltene
Werk.
Charlotte Salomon wurde am 10. Oktober 1943 in Auschwitz vergast.
DANIEL LIBESKIND "KÖ-BOGEN"-SIEGER
Donnerstag, 10.12.2009, 20h
Vortrag von Thomas Brandt
Ein
Vortrag zum Leben und Werk des amerikanischen Architekten, der in
Düsseldorf ein wichtiges Stück Stadtreparatur zu verantworten hat. Im
Einzelnen wird zu folgenden Fragen Stellung genommen: Welche
Erlebnisse, Erfahrungen und Begegnungen haben Daniel Libeskind geprägt?
Wie hat sich seine Formensprache entwickelt und woran läßt sich seine
"Handschrift" erkennen? Gibt es eine ihm eigene Art des Umgangs mit
Raum, Licht und Materialien? Welche Vorbilder, Anknüpfungs- und
Bezugspunkte, Quellgründe und Ahnväter seiner Ideen gibt es und aus
welchen Gründen gehört Libeskind zu den Vertretern des
"Dekonstruktivismus" in der Architektur?
Filmreihe Verwandlung: SIMON IN DER WÜSTE
Mittwoch, 16.12.2009, 20h
"Simon in der Wüste", Mex 1965, R: L. Bunuel, S: C. Brook, Silvia Pinal
Einführung: Frauke Tomczak
Was
wäre eine Filmreihe zur "Verwandlung" ohne die surrealistische
Metamorphose? Den Säulenheiligen Simon versucht der Teufel in
unterschiedlichen weiblichen Gestalten zu verführen. Ein sehr selten
gezeigter Film von Luis Bunuel, dem Altmeister surrealistischer Kunst.
Werkgespräch: ROLAND WIRTZ
Freitag, 18.12.2009, onomato
Zur Ausstellung in der Fenstergalerie das Werkgespräch
Der Zeit Zeit geben – dem Licht Licht geben
Wie
Miroslay Tich˘ dreht Roland Wirtz die Geschichte der Fotografie um die
eigene Achse. Der eine konstruiert seine Apparate, schleift selbst die
Linsen, mit dem Ziel, die Welt verschwommen und nebensächlich, vor
allem die stets verführerischen Frauen auf Distanz zu halten. Der
Kosmos bestehe aus Mathematik, sagt Tich˘ und der Mensch sei Teil
dieses Kosmos, so meint der heute 83 jährige Tscheche, sei es besser
mit einer Vorstellung von Welt zu leben, als sich mit derer lästigen
Realität auseinander zu setzen.
Roland Wirtz macht es anders. Er
lässt das Licht fluten, mit einer selbst konstruierten Kamera auf ein
Fotopapier in der Größe 127 x 220 cm. Das Endspiel im Fußbal
beispielsweise, auf das die halbe Welt fiebert, zeigt im Bild nach 90
Minuten "Leere". In einer enormen Belichtungszeit verschwimmt das
Geschehen. Bewegung, Begeisterung, Tumulte und Hektik lösen sich in
Zeitlosigkeit auf. Es ist eine philosophische Haltung, die zu uns
spricht. Es sind die der Welt immanenten Gegensätze, die uns gefangen
nehmen: Ordnung und Unordnung, Teilchen und Antiteilchen. Ein Maximum
an Konzentration wird gleichzeitig in ihr Gegenteil umgewandelt. Das
ist das Schöne, Aufregende an der Arbeit von Roland Wirtz, dass
inmitten eines Hexenkessels die völlige Ruhe einkehrt. Fast könnte man
sagen; Je aufgeheizter die Stimmung ist, desto mehr "entleert" sich das
Bild in den Bewegungsabläufen. Das Bild ist angereichert, enthält das
ganze Spiel, ist einmalig (wird nicht reproduziert), ist 90 minuten
dauernder Energieträger, ist für den Fußballdas Schweisstuch der
Heiligen Veronika...
Prof. Jean-Christophe Ammann, Frankfurt Oktober 2009
